Fische und Gewässer in Gefahr wegen Hitze
Hitze - Fische Gewässer - Was tun?
Hintergrund
Bei niedrigen Wasserständen und hohen Wassertemperaturen infolge von Hitzeperioden kann
es insbesondere in flachen Kleingewässern zu Fischsterben kommen. In der Regel ist der Tod
der Fische (und anderer Lebewesen) auf Sauerstoffmangel zurückzuführen.
In warmem Wasser ist physikalisch bedingt viel weniger Sauerstoff gelöst als im kalten Wasser.
Sind bei einer Wassertemperatur von 4°C im gesättigten Zustand 12,7 mg Sauerstoff pro Liter
gelöst, sind es bei einer Temperatur von 25 °C nur noch 8,11 mg pro Liter*.
In Gewässern wird zudem Sauerstoff durch Tiere verbraucht; nachts auch durch Algen und
Wasserpflanzen. Bei Sonnenlicht wird durch Algen/Pflanzen entsprechend Sauerstoff
produziert und ins Wasser abgegeben. Es kommt zu starken Sauerstoffschwankungen zwischen
Tag und Nacht.
In den frühen Morgenstunden ist in der Regel die Sauerstoffkonzentration im Wasser am
geringsten und damit die Gefahr eines zu niedrigen Sauerstoffgehaltes am höchsten.
*Sauerstoffsättigungswerte bei einem Luftdruck von 1013 mbar, berechnet nach Downing & Truesday 1955: Some
factors affecting the rate of soluton of oxygen in water. Journal of Applied Chemistry 5, 570-581.
Achtung Blaualgen!
In Gewässern mit hohen Nährstoffgehalten treten während Hitzeperioden häufig sogenannte
„Blaualgen“ (Cyanobakterien) auf, die bei Massenentwicklungen ein Gewässer zum Umkippen
bringen können.
Sterbende oder tote Blaualgen treiben auf und bilden an der Wasseroberfläche häufig einen
dünnen, grünlich/bläulichen Film oder dichte Algenpolster. Die darunter schwimmenden Algen
sterben infolge des Lichtmangels und treiben ebenfalls auf. So kann es zu einer Kettenreaktion
kommen, bei der innerhalb kurzer Zeit enorm viel Algenbiomasse abstirbt. Die tote
Algenbiomasse wird von Bakterien unter Verbrauch von Sauerstoff abgebaut. Als Folge sinken
die Sauerstoffwerte auf ein für Fische bedrohliches Niveau ab.Anglerverband Niedersachsen e.V. - www.av-nds.de - info@av-nds.de - 0511 - 357 266 0 1
Das könnt Ihr tun!
Um Fischsterben zu vermeiden bzw. frühzeitig zu erkennen, empfehlen wir folgende
Maßnahmen:
- regelmäßige Kontrolle der Gewässer (findet z.B. eine unerlaubte Wasserentnahme statt,
sind Blaualgen sichtbar, ist der Wasserstand erheblich abgesunken, etc.)
- Messungen des Sauerstoffgehaltes, am besten in den frühen Morgenstunden (zur
Ermittlung der Tagesuntergrenze/Minimalmenge)
- Zeigen sich Fische an der Oberfläche und betreiben Notatmung?
Maßnahmen bei einem drohenden / akuten Fischsterben
- Belüftung des Gewässers durch Wasserumwälzung (z.B. mit Pumpen des Technischen
Hilfswerks oder der Feuerwehr) auch nachts, da über Nacht der Sauerstoffgehalt
sukzessive abnimmt
- Wichtig: in Stillgewässern kein sauerstofffreies Tiefenwasser unterhalb der
Sprungschicht / aus dem Bereich des Gewässerbodens hochpumpen. Es besteht die
Gefahr, über sauerstofffreies Wasser Nährstoffe zu mobilisieren, die das Algen- /
Pflanzenwachstum zusätzlich fördern
Fischbergung im Falle eines drohenden Fischsterbens
- Fische können durch den Fischereirechtsinhaber oder mit Erlaubnis des
Fischereiberechtigten in andere Gewässer umgesetzt werden.
- Für den Fall, dass geschonte/geschützte oder untermaßige Fische umgesetzt werden
müssen, ist vorab eine Genehmigung beim Landesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit, Dezernat Binnenfischerei, Fischereikundlicher Dienst (LAVES)
einzuholen:
https://www.laves.niedersachsen.de/wir_ueber_uns/institute_fachdezernate/fachdeze
rnat-binnenfischerei---fischereikundlicher-dienst-73891.html
- Beim Fang der Fische möglichst schonende Materialien (knotenlose Netze, gummierte
Kescher) verwenden.
- Die geborgenen Fische in möglichst großen Behältern mit ausreichend Wasser und
Belüftung über Pumpen transportieren.
- Die Transportwege kurz halten, Fische in „sauberem“ Wasser (möglichst wenig
Schlamm, organisches Material) transportieren.Anglerverband Niedersachsen e.V. - www.av-nds.de - info@av-nds.de - 0511 - 357 266 0 2
Fischbergung im Falle eines drohenden Fischsterbens - Forts.
- Lassen sich die Fische mit Netzen/Keschern schlecht fangen, kann eine Fischbergung
mittels Elektrofischerei vorgenommen werden. Hier bedarf es vorab einer Genehmigung
durch das LAVES. Die wird meist - und gerade in Notfällen - auch nach einem Anruf und
ohne vorherige schriftliche Anfrage sehr schnell erteilt.
- Die Elektrofischerei darf nur durch geschultes Personal erfolgen, und es sind die
entsprechenden gesetzlichen Vorschriften zu beachten:
https://www.laves.niedersachsen.de/tiere/binnenfischerei/spezielle_fachthemen/elekt
rofischerei-73904.html
Hot Facts für Angler (nicht nur bei Hitze)
Auch der einzelne Angler sollte gerade in der aktuellen Situation einige Hinweise beherzigen, um den
Fisch waidgerecht zu behandeln. In besonders kritischen Situationen würden wir es sehr begrüßen,
wenn die Vereine das Angeln an bedrohten / kleinen Gewässern komplett aussetzen, bis sich die
Wasserstände wieder normalisiert haben!
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