Horror Haus in Salzburg am Bahnhof
Behörden begehen „Horror-Haus“: Konkrete Pläne gegen Angsträume
Salzburg – Polizei, Ordnungsamt, Sozialarbeiter und die Hausverwaltung haben sich das als „Horror-Haus“ verschriene Wohngebäude in der Fanny-von-Lehnert-Straße genau vorgeknöpft. Bei der Begehung am Dienstag sei kein Winkel ausgelassen worden, berichtet SPÖ-Klubchef Vincent Pultar im Gespräch mit SALZBURG24. Vom Keller über die Garage bis in die obersten Stockwerke hätten die Experten die Schwachstellen des Hauses analysiert. Nun liegen konkrete Pläne vor, um die Lebenssituation der Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern.
Bauliche Sperren und Alarmanlagen gegen dunkle Ecken
Im Fokus der Aktion stand das Ausfindigmachen sogenannter Angsträume – und deren nachhaltige Entschärfung. Laut Pultar setzt man vor allem auf bauliche Veränderungen, für deren Umsetzung die Wiener Hausverwaltung zuständig ist. Dunkle Nischen, die bislang von Obdachlosen als Schlafstätten oder zum Drogenkonsum genutzt wurden, sollen zugemauert oder anderweitig geschlossen werden. Zusätzlich sind verstärkte Türen geplant sowie eine akustische Alarmsicherung, die unbefugtes Betreten meldet – ein Schritt, der vor allem das Sicherheitsgefühl der rechtmäßigen Mieter stärken soll.
Einige Sofortmaßnahmen wurden bereits umgesetzt: Ein nächtlicher Wachdienst patrouilliert durch das Gebäude, die Reinigungsintervalle wurden deutlich erhöht, um den hygienischen Missständen den Kampf anzusagen.
„Ein oder zwei direkte Worte“ – Bewohner schweigen aus Angst
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigte sich auch während der Begehung. In der Waschküche habe eine Bewohnerin der Hausverwaltung „das eine oder andere direkte Wort“ entgegenschleudern können, so Pultar. Sie sei jedoch die Einzige gewesen, die sich offen getraut habe. Viele der Menschen in den rund 120 Wohnungen seien verunsichert und hätten Angst vor dem Klientel, das sich regelmäßig im Haus herumtreibe.
Die Behörden kennen die Probleme seit Langem: Bereits im Herbst 2023 wurde über die katastrophalen Zustände berichtet. Mitte Februar 2026 kam es dann zu einem tragischen Vorfall: Ein Mann stürzte aus dem siebten Stock des Hauses und starb. Die Polizei fahndet seit einer Woche nach Zeugen – bisher vergeblich.
„Nur ein Symptom“ des Bahnhofsmilieus
Pultar dämpfte im Vorfeld der Begehung allerdings allzu große Erwartungen an eine schnelle Komplettlösung: „Drogenkriminalität und Drogenabhängigkeit werden wir nicht beenden, nur weil wir ein Haus sicherer machen.“ Das Gebäude sei lediglich ein Symptom der schwierigen Situation rund um den Hauptbahnhof. Positiv sei immerhin, dass die Zusammenarbeit mit der Hausverwaltung, die in der Vergangenheit oft holprig verlief, nun auf einem besseren Weg sei.
Evaluierung im Sommer geplant
Die jetzt beschlossenen Maßnahmen sind nicht als Schlusspunkt gedacht. Für den Sommer ist ein weiterer Termin zur Evaluierung angesetzt. Dann soll überprüft werden, ob der Wachdienst und die baulichen Veränderungen tatsächlich die erhoffte Ruhe in die Fanny-von-Lehnert-Straße gebracht haben.