Ottobrunn fordert mehr Sitzgelegenheiten
Jugendwunsch wird Wirklichkeit: Ottobrunn bekommt eine ganz besondere Sonnenuntergangsbank
Ottobrunn – Wenn junge Menschen nach ihren Wünschen gefragt werden und die Verantwortlichen anschließend nicht nur zuhören, sondern auch handeln, können selbst mit überschaubaren Mitteln bemerkenswerte Projekte entstehen. In Ottobrunn wurde nun einer der Vorschläge aus der jüngsten Jugendbefragung überraschend schnell umgesetzt: In der Nähe des Phönixbades lädt eine von Jugendlichen gestaltete Bank dazu ein, gemeinsam den Sonnenuntergang zu beobachten.
Insgesamt 234 Jugendliche hatten sich an der Befragung beteiligt und zahlreiche Ideen eingebracht, wie Ottobrunn aus ihrer Sicht noch lebenswerter und jugendfreundlicher werden könnte. Dabei ging es nicht ausschließlich um große Bauprojekte oder kostspielige Freizeiteinrichtungen. Viele Rückmeldungen betrafen ganz alltägliche Dinge, die für Jugendliche dennoch von großer Bedeutung sind.
Einer dieser Wünsche lautete: mehr Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Ausdrücklich genannt wurden dabei auch Bänke an Orten, von denen aus sich am Abend der Sonnenuntergang beobachten lässt. Denn Jugendliche benötigen nicht nur Sportflächen und organisierte Freizeitangebote, sondern ebenso frei zugängliche Treffpunkte, an denen sie sich unterhalten, entspannen und Zeit miteinander verbringen können.
Ein Wunsch mit besonderem Charme
Als die Ergebnisse der Jugendbefragung im Ottobrunner Gemeinderat vorgestellt wurden, griff Bürgermeister Florian Schardt (SPD) diesen Vorschlag mit einer Portion Humor auf. Schließlich müsse zunächst herausgefunden werden, an welcher Stelle in Ottobrunn sich der Sonnenuntergang besonders gut beobachten lasse. Diese durchaus angenehme Aufgabe gab er an seine Stellvertreter weiter.
Was zunächst wie eine sympathische Randbemerkung während einer Gemeinderatssitzung klang, wurde kurze Zeit später ganz konkret. Während Bürgermeister Schardt im Urlaub war, kümmerte sich der Zweite Bürgermeister und Gemeinderat Michael Senft von den Grünen um die Umsetzung.
Senft machte dabei sprichwörtlich Nägel mit Köpfen. Im gemeindlichen Bauhof wurde eine Bank gefunden, die dort nicht mehr benötigt wurde. Statt eine neue Sitzgelegenheit anzuschaffen, erhielt das vorhandene Mobiliar eine zweite Chance. Damit entwickelte sich aus dem Wunsch der Jugendlichen zugleich ein kleines, nachhaltiges Projekt.
Sechs Jugendliche verwandeln eine alte Bank in ein Kunstwerk
Die ausrangierte Bank wurde anschließend dem Jugendzentrum Einstein zur Verfügung gestellt. Dort entstand gemeinsam mit sechs Jugendlichen die Idee, aus der schlichten Sitzgelegenheit etwas Besonderes zu machen.
Die jungen Beteiligten bemalten die Sitzfläche und die Rückenlehne mit Motiven, die genau zu dem ursprünglichen Wunsch passen: Ein farbenprächtiger Sonnenuntergang trifft auf eine Bergsilhouette und einen leuchtenden Sternenhimmel. Dadurch wurde aus einer nicht mehr benötigten Bauhofbank ein individuelles Kunstwerk, das die Handschrift der Jugendlichen trägt.
Die Gestaltung verbindet dabei gleich mehrere Gedanken miteinander. Der Sonnenuntergang erinnert an den konkreten Wunsch aus der Befragung. Die Bergsilhouette nimmt Bezug auf die Landschaft und den weiten Blick. Der Sternenhimmel steht für die Abendstunden, in denen die Bank als Treffpunkt und Ruheplatz genutzt werden kann.
Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Jugendbeteiligung nicht nur aus Fragebögen, Sitzungen und politischen Diskussionen bestehen muss. Jugendliche konnten hier selbst aktiv werden und ihren zukünftigen Treffpunkt mitgestalten.
Neuer Standort unweit des Phönixbades
Nachdem die künstlerische Arbeit abgeschlossen war, übernahm der Ottobrunner Bauhof die Aufstellung der Bank. Als Standort wurde eine kleine Anhöhe an der Ecke Haidgraben und Ostpreußenstraße ausgewählt.
Der Platz befindet sich etwas versetzt und nicht weit vom Phönixbad entfernt. Von dort aus eröffnet sich der gewünschte Blick in die Weite. Damit wurde ein Ort gefunden, der dem ursprünglichen Vorschlag der Jugendlichen möglichst nahekommt.
Die Bank soll künftig nicht nur Jugendlichen zur Verfügung stehen. Auch Spaziergänger, Familien, ältere Menschen und Besucher des nahe gelegenen Phönixbades können dort eine Pause einlegen. Das Projekt kommt somit letztlich der gesamten Bevölkerung zugute.
Von der Befragung zur Umsetzung in wenigen Wochen
Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der das Vorhaben verwirklicht wurde. Nur wenige Wochen lagen zwischen der Vorstellung der Jugendbefragung im Gemeinderat und der tatsächlichen Aufstellung der Bank.
In der Kommunalpolitik benötigen selbst kleinere Vorhaben häufig viel Zeit. Zuständigkeiten müssen geklärt, Standorte geprüft und finanzielle Fragen beantwortet werden. In diesem Fall gelang es jedoch, mit einer vorhandenen Bank, der Unterstützung des Bauhofs, dem Engagement des Jugendzentrums und der Kreativität der Jugendlichen eine unkomplizierte Lösung zu finden.
Bürgermeister Florian Schardt zeigte sich nach seiner Rückkehr erfreut über das Ergebnis. Er dankte allen Beteiligten für die „blitzschnelle Umsetzung dieses sympathischen Projektes“.
Dieser Dank gilt insbesondere den sechs Jugendlichen, die aus einer einfachen Sitzbank einen unverwechselbaren Blickfang gemacht haben. Ebenso beteiligt waren das Jugendzentrum Einstein, der gemeindliche Bauhof und Michael Senft, der die Idee während des Urlaubs des Bürgermeisters aufgegriffen und vorangetrieben hatte.
Jugendbeteiligung darf kein folgenloses Versprechen bleiben
Jugendbefragungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn aus den Ergebnissen anschließend sichtbare Veränderungen entstehen. Werden junge Menschen nach ihrer Meinung gefragt, erwarten sie zu Recht, dass ihre Vorschläge ernst genommen, geprüft und – soweit möglich – umgesetzt werden.
Natürlich können nicht alle Wünsche sofort erfüllt werden. Manche Ideen benötigen längere Planungen, größere Investitionen oder politische Mehrheiten. Umso wichtiger sind Projekte wie die neue Bank am Phönixbad. Sie zeigen den Jugendlichen, dass ihre Rückmeldungen tatsächlich wahrgenommen werden und konkrete Folgen haben können.
Gerade kleinere Projekte können dabei eine große Wirkung entfalten. Sie schaffen Vertrauen in die kommunale Politik und ermutigen junge Menschen, sich auch künftig einzubringen. Wer erlebt, dass aus einem Vorschlag innerhalb weniger Wochen Realität wird, beteiligt sich möglicherweise auch beim nächsten Mal wieder.
Mehr als nur eine Sitzgelegenheit
Die neue Bank ist deshalb weit mehr als ein Platz zum Ausruhen. Sie steht symbolisch für gelebte Jugendbeteiligung, Kreativität, Nachhaltigkeit und eine unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Bauhof, Jugendzentrum und jungen Menschen.
Aus einer nicht mehr benötigten Bank entstand mit wenigen Mitteln ein neuer Treffpunkt. Anstatt das vorhandene Mobiliar auszusortieren, wurde es weiterverwendet und durch die Bemalung aufgewertet. Die Jugendlichen waren nicht nur Ideengeber, sondern unmittelbar an der Gestaltung beteiligt.
Damit trägt die Bank eine Botschaft: Junge Menschen gehören zum öffentlichen Leben und sollen ihre Gemeinde mitgestalten können.
Ein Projekt, das Schule machen könnte
Das Ottobrunner Beispiel könnte auch für andere Kommunen eine Anregung sein. Nicht jeder Wunsch aus einer Jugendbefragung muss mit hohen Kosten oder jahrelangen Planungen verbunden sein. Manchmal reichen eine gute Idee, vorhandenes Material und einige engagierte Beteiligte aus, um eine sichtbare Verbesserung zu erreichen.
Denkbar wären ähnliche Projekte auch an anderen Standorten: kreativ gestaltete Sitzgelegenheiten, kleine Treffpunkte, zusätzliche Mülleimer, wettergeschützte Bereiche oder Flächen, die Jugendliche selbst bemalen und pflegen können.
Entscheidend ist dabei, dass die jungen Menschen von Beginn an beteiligt werden. Dadurch steigt nicht nur die Identifikation mit dem jeweiligen Projekt. Wer selbst an der Gestaltung mitwirkt, entwickelt häufig auch ein stärkeres Verantwortungsgefühl für den neuen Ort.
Ein Platz für Sonnenuntergänge, Gespräche und neue Ideen
Nun steht sie also auf der kleinen Anhöhe an der Ecke Haidgraben und Ostpreußenstraße: die neue Ottobrunner Sonnenuntergangsbank. Mit ihrem farbenfrohen Motiv dürfte sie schon von Weitem Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Sie bietet künftig einen Platz für Gespräche unter Freunden, eine kurze Pause nach dem Besuch im Phönixbad oder einen ruhigen Moment am Abend. Vielleicht entstehen dort sogar neue Wünsche und Ideen für die Zukunft Ottobrunns.
Einer der Vorschläge aus der Jugendbefragung ist jedenfalls bereits Wirklichkeit geworden – schnell, kreativ und ohne großen bürokratischen Aufwand. Die Bank zeigt, wie kommunale Jugendbeteiligung im besten Fall funktionieren kann: Junge Menschen äußern einen Wunsch, Verantwortliche greifen ihn auf und gemeinsam entsteht etwas, das bleibt.
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