Polarlichter

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Polarlichter

Polarlichter Polarlichter (Aurora borealis und Aurora australis) 1. Was sind Polarlichter? Polarlichter sind natürliche Leuchterscheinungen in der oberen Atmosphäre (Ionosphäre und Thermosphäre), die durch die Wechselwirkung geladener Sonnenteilchen mit dem Erdmagnetfeld und den atmosphärischen Gasen entstehen. Auf der Nordhalbkugel heißen sie Aurora borealis (Nordlichter), auf der Südhalbkugel Aurora australis (Südlichter). --- 2. Entstehung: Der physikalische Prozess · Sonnenaktivität: Bei Sonneneruptionen (Flares) oder koronalen Massenauswürfen werden elektrisch geladene Teilchen (hauptsächlich Elektronen und Protonen) ins All geschleudert. Dieser Sonnenwind reist mit hoher Geschwindigkeit Richtung Erde. · Erdmagnetfeld: Das Magnetfeld der Erde lenkt den Sonnenwind zu den Magnetpolen (den Polarkreisen), wo es in die Atmosphäre eintritt. · Wechselwirkung mit Atmosphärengasen: Die Teilchen kollidieren mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen/-molekülen in 80–500 km Höhe und übertragen Energie. · Lichtemission: Die angeregten Atome/Moleküle geben diese Energie als Licht ab: · Sauerstoff: Grün (häufigste Farbe, ~120–180 km Höhe) und Rot (seltener, ~200 km). · Stickstoff: Blau und Violett/Purpur (tiefere Schichten). · Formen: Vorhänge, Bänder, Strahlen, Kronen, flächiges Leuchten. --- 3. Wo und wann sind Polarlichter zu sehen? · Geographie: Meist in ovalen Zonen um die magnetischen Pole – Auroraloval. Bei starker Sonnenaktivität sind sie auch in mittleren Breiten sichtbar (z.B. Deutschland, Österreich, Schweiz). · Beste Beobachtungsorte: · Nordlichter: Nördliches Skandinavien (Norwegen, Schweden, Finnland, Island), Nordkanada, Alaska, Nordsibirien. · Südlichter: Antarktis, Süd-Neuseeland, Tasmanien, Südargentinien. · Jahreszeit: Vor allem im Winter (lange Dunkelheit), jedoch ganzjährig – im Sommer ist es in Polargebieten oft zu hell (Mitternachtssonne). · Uhrzeit: Statistisch gesehen zwischen 22 Uhr und 2 Uhr nachts am aktivsten. --- 4. Einfluss der Sonnenaktivität · Der 11-Jahres-Zyklus der Sonne bestimmt die Häufigkeit: Während des Sonnenmaximums (nächster Höhepunkt um 2025) sind Polarlichter häufiger und intensiver. · KP-Index: Misst die geomagnetische Aktivität auf einer Skala von 0–9. Ab KP-5 (geomagnetischer Sturm) sind Sichtungen in Mitteleuropa möglich. --- 5. Mythologie und Kulturgeschichte Polarlichter wurden historisch oft mystisch gedeutet: · Nordische Mythologie: Reflektion der Rüstungen der Walküren oder Brücke der Götter (Bifröst). · Inuit: Geister der Verstorbenen, die mit Fackeln den Himmel beleuchten. · Mittelalter: Omen für Kriege, Seuchen oder besondere Ereignisse. · Wissenschaftliche Erklärung: Erst ab dem 20. Jahrhundert weitgehend verstanden, nachdem der norwegische Physiker Kristian Birkeland die Theorie des Teilchenbeschusses entwickelte. --- 6. Forschung und Bedeutung · Raumfahrt und Technik: Starke geomagnetische Stürme können Satelliten, Stromnetze und Kommunikation stören („Space Weather“). · Atmosphärenphysik: Polarlichter helfen, die Wechselwirkung zwischen Sonne und Erde zu verstehen. · Frühere Beobachtungen: Historische Aufzeichnungen geben Hinweise auf vergangene Sonnenaktivität. --- 7. Tipps zur Beobachtung und Fotografie · Vorbereitung: Aurora-Vorhersage-Apps und Websites (z.B. NOAA Space Weather Prediction Center) nutzen. · Standort: Dunkler Himmel ohne Lichtverschmutzung, freie Sicht nach Norden (bzw. Süden auf der Südhalbkugel). · Fotografie: Stativ, Weitwinkelobjektiv, hohe ISO-Empfindlichkeit (800–3200), lange Belichtungszeit (5–20 Sekunden), manueller Fokus. --- 8. Polarlichter auf anderen Planeten Auch andere Planeten mit Magnetfeld und Atmosphäre zeigen Polarlichter: · Jupiter und Saturn: Besonders stark aufgrund ihrer mächtigen Magnetfelder. · Mars: Schwache, diffuse Polarlichter, da kein globales Magnetfeld mehr vorhanden ist. --- 9. Klimawandel und Polarlichter · Kein direkter Zusammenhang mit der Erderwärmung, aber: · Veränderungen des Erdmagnetfelds könnten langfristig das Auroraloval verschieben. · Mehr Tourismus („Aurora-Tourismus“) hat ökologische Auswirkungen in arktischen Regionen. --- Polarlichter sind ein faszinierendes Zusammenspiel von Sonnenphysik, Erdmagnetismus und atmosphärischer Chemie – eines der spektakulärsten Naturphänomene unseres Planeten.

Datum: 20.01.2026 Quelle: Bayregnews