Tür von ICE ging während der Fahrt auf
Lohr am Main. Eine während der Fahrt geöffnete Tür hat am Dienstagabend, 1. September 2026, einen Großeinsatz in Unterfranken ausgelöst. Der ICE 528 war von München nach Dortmund unterwegs, als sich gegen 20.15 Uhr im hinteren Zugteil eine Tür öffnete. Nach Angaben der Bundespolizei war der mit 238 Reisenden besetzte Schnellzug zu diesem Zeitpunkt mit rund 200 Kilometern pro Stunde unterwegs. Der Triebfahrzeugführer leitete umgehend eine Notbremsung ein.
Der ICE kam am Eingangsportal des Schönraintunnels bei Karlstadt im Landkreis Main-Spessart zum Stehen. Nach bisherigem Kenntnisstand wurden keine Verletzten gemeldet. Dennoch mussten die Einsatzkräfte zunächst eine mögliche Gefahrenlage ausschließen: Zu Beginn war nicht auszuschließen, dass während der Fahrt eine Person aus dem Zug gestürzt sein könnte und entlang der Bahnstrecke Hilfe benötigte.
Daraufhin begann eine umfangreiche Suche entlang der Bahnstrecke zwischen Rohrbach und dem Tunneleingang bei Wiesenfeld. Neben der Bundespolizei waren Kräfte der Bayerischen Landespolizei, der örtlichen freiwilligen Feuerwehren und der Rettungsdienste im Einsatz. Die Maßnahmen beschränkten sich nicht auf den Zug selbst. Auch der zuvor befahrene Streckenabschnitt wurde nach möglichen Betroffenen abgesucht.
Bei der Suche kamen eine Drohne, eine Hundestaffel sowie ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildtechnik zum Einsatz. Die Einsatzkräfte suchten sowohl aus der Luft als auch am Boden. Erschwert wurden die Maßnahmen durch das unwegsame Gelände und die Dunkelheit. Nach den vorliegenden Angaben wurde bei der nächtlichen Suche niemand entlang der Strecke gefunden. Die anfängliche Befürchtung, eine Person könnte aus dem fahrenden Zug gestürzt sein, bestätigte sich damit nicht.
Für die Reisenden bedeutete der Zwischenfall eine längere Unterbrechung ihrer Fahrt. Der ICE wurde schließlich nach Lohr am Main gebracht. Dort konnten die Fahrgäste den Zug verlassen und wurden von Hilfskräften betreut. Am Bahnhof schlossen sich weitere polizeiliche Maßnahmen zur Aufklärung des Geschehens an.
In Lohr setzte die Bundespolizeiinspektion Würzburg mit Unterstützung weiterer Bundespolizeikräfte die Ermittlungen fort. Die Beamten stellten die Identitäten der Reisenden fest, führten Befragungen durch und nahmen Zeugenaussagen auf. Von besonderem Interesse sind Beobachtungen aus dem Zug, die dazu beitragen können, den Ablauf vor dem Öffnen der Tür und den anschließenden Zwischenfall zu rekonstruieren.
Nach ergänzenden Angaben wurden insbesondere Reisende aus dem hinteren Zugteil zu ihren Wahrnehmungen befragt. Außerdem ordnete die Polizei Gepäckstücke ihren Besitzern zu. Damit sollte geprüft werden, ob möglicherweise Gegenstände aus dem Zug gefallen waren. Dass tatsächlich Gepäck verloren ging, ist damit jedoch noch nicht belegt.
Zur möglichen Ursache äußerte sich inzwischen auch die Deutsche Bahn. Nach Angaben einer Bahnsprecherin lag keine technische Störung am Zug vor. Das Unternehmen erklärte zudem, dass sich ICE-Türen während der Fahrt nicht ohne Weiteres selbstständig öffnen. Wie es in diesem konkreten Fall dennoch zu der geöffneten Tür kam, ist weiterhin Gegenstand der behördlichen Ermittlungen.
Ob die Tür möglicherweise vorsätzlich geöffnet wurde, ließ die Bahn in ihrer Stellungnahme offen. Aus der Erklärung des Unternehmens lässt sich daher kein bestätigter Tatablauf ableiten. Ebenso ist bislang nicht geklärt, ob eine bestimmte Person für den Vorfall verantwortlich ist. Weitere Einzelheiten stellte die Bahn nach Abschluss der Ermittlungen in Aussicht.
Die Bahnstrecke am Einsatzort wurde in der Nacht zum Mittwoch gegen 2.30 Uhr wieder freigegeben. Für Mittwochvormittag war eine erneute Absuche angekündigt. Ein Ergebnis dieser zusätzlichen Suche ist in den für diesen Bericht ausgewerteten Meldungen noch nicht enthalten.
Für die weitere Aufklärung ist entscheidend, weshalb sich die Tür bei dieser Geschwindigkeit öffnen konnte und welche Ereignisse unmittelbar zuvor stattfanden. Die Aussagen der Reisenden und die weiteren Untersuchungen sollen nun ein belastbares Bild des Ablaufs ergeben. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Ursache der Vorfall hatte und ob daraus weitere Konsequenzen folgen.